bee·info
← Zum Bienenjahr
Wintersitz im Volk
Winterruhe · Das Bienenjahr

Januar im Bienenjahr

Die Wintertraube sitzt still, der Stoffwechsel ist niedrig — und trotzdem beginnt um die Sonnenwende oft schon vorsichtig die Brut. Wer jetzt Ruhe hält, entscheidet mit über den Start im März.

Volksstärke
ca. 8.000
Brut
beginnend
Tracht
Haselpollen

Im Januar sieht ein Bienenvolk von außen tot aus. Am Flugloch liegt Totenfall, an kühlen Tagen bewegt sich nichts, und wer die Beute anhebt, spürt vor allem Gewicht. Innen sitzt die Wintertraube: zehntausend Bienen oder weniger, eng aneinander, den Kern bei etwa 25 °C, den Rand knapp über der Außentemperatur.

Das ist kein Schlaf. Die Traube wandert langsam über den Futterkranz, verbraucht Honig und hält die Königin warm. Um die Wintersonnenwende legen viele Völker die ersten Eier — nicht weil der Imker das will, sondern weil die Tageslänge den Bruttrieb anstößt. Jedes Ei kostet Futter und Wärme. Deshalb zählt im Januar vor allem eines: nicht stören.

Im Januar arbeitet, wer die Bienen in Ruhe lässt.

Im Volk

Winterbienen — die langlebigen Arbeiterinnen, die im Spätsommer aufgezogen wurden — tragen das Volk bis in den März. Ihr Fettkörper ist größer, ihr Stoffwechsel langsamer als der einer Sommerbiene. In der Traube wechseln sich die Tiere ab: wer außen kalt wird, arbeitet sich nach innen.

Brut im Januar ist ein Risiko und eine Chance zugleich. Ein kleines Nest hält die Königin in Eilage und verkürzt den Start im Frühjahr. Es verbraucht aber Vorräte und zwingt die Traube, eine feste Temperatur zu halten. Bei anhaltendem Frost und leeren Waben neben dem Nest kann das Volk verhungern, obwohl noch Honig in der Zarge steht — die Traube löst sich dann nicht mehr.

Imkerliche Arbeit

Kontrollen gehören vor die Beute, nicht hinein. Flugloch freihalten, Specht- und Mäuseschutz prüfen, den Deckel gegen Sturm sichern. Das Gewicht sagt mehr als jedes Öffnen: wer die Magazinbeute hinten anhebt, spürt, ob noch ein nennenswerter Futterkranz da ist. Leichte Völker notieren und bei nächster milder Lage gezielt füttern — nicht prophylaktisch jedes Volk aufreißen.

Wer die Restentmilbung im Dezember verpasst hat und das Volk brutfrei ist, kann an einem kalten, aber trockenen Tag noch Oxalsäure träufeln. Brutnest zerstört den Sinn der Winterbehandlung. Ansonsten gilt: Wachs verarbeiten, Rähmchen richten, das Jahr auf dem Papier planen. Die Bienen brauchen den Imker im Januar nicht im Stock.

Tracht und Pollen

Hasel (Corylus avellana) stäubt oft schon im Januar, sobald die Temperatur über etwa 10 °C steigt. Der Pollen ist der erste Eiweißschub des Jahres — sichtbar als graugelbe Höschen an den wenigen Sammlerinnen, die bei Sonne ausfliegen. Schneeheide und Winterling liefern in Gärten zusätzlich.

Nektar spielt keine Rolle. Was zählt, ist Pollen plus vorhandener Honig. Wer im Herbst knapp eingefüttert hat, merkt das jetzt: Brut ohne Vorrat geht nicht gut.

Am Stand

  • Beutengewicht durch Anheben prüfen, leichte Völker markieren
  • Flugloch von Totenfall und Eis freihalten
  • Mäusegitter und Spechtschutz kontrollieren
  • Stand nicht unnötig betreten, keine Durchsicht
  • Restentmilbung nur nachholen, wenn das Volk brutfrei ist

Tracht in diesem Monat

Hasel · Schneeheide · Winterling

Quellen & BelegePhysiologie der WinterbieneÜberwinterung im Magazinbetrieb