
Wie ein Volk beschließt umzuziehen
Kundschafterinnen werben mit dem Schwänzeltanz für konkurrierende Nistplätze, bis ein Quorum kippt. Eine Entscheidung ohne Zentrale.
Wenn ein Volk schwärmt, verlässt die alte Königin mit einem großen Teil der Arbeiterinnen die Beute und setzt sich in der Nähe als Traube ab. Dort hängt der Schwarm, oft ein bis drei Tage, und hat genau eine Aufgabe: einen Hohlraum finden, der groß genug, trocken und gut verteidigbar ist.
Ein kleiner Teil des Schwarms, wenige Hundert erfahrene Sammlerinnen, fliegt als Kundschafterinnen aus. Wer etwas findet, kehrt zurück und tanzt auf der Traubenoberfläche — derselbe Schwänzeltanz, mit dem sonst Futterquellen gemeldet werden, nur dass hier kein Nektar, sondern ein Ort beworben wird.
Entscheidend ist, wie lange eine Kundschafterin für ihren Fund wirbt. Ein guter Hohlraum wird ausdauernd getanzt, ein mittelmäßiger nur kurz. Andere Kundschafterinnen fliegen hin, prüfen selbst und tanzen bei Zustimmung mit. So verstärken sich gute Plätze, schwache verlieren ihre Werberinnen.
Schwänzeltanz: Tanzdauer und Entfernung
Je länger die Schwänzelphase, desto weiter das Ziel. Richtwerte für Apis mellifera carnica — die Umrechnung unterscheidet sich zwischen Unterarten.Keine einzelne Biene kennt alle Nistplätze. Das Volk kennt sie.
Die Entscheidung fällt nicht auf der Traube, sondern am Ort selbst: Sobald dort genügend Kundschafterinnen gleichzeitig anwesend sind — ein Quorum von etwa zwanzig bis dreißig Tieren —, wechseln sie in ein Schwirrsignal, das den Schwarm flugbereit macht. Kurz darauf hebt die Traube ab.
Für die Imkerei heißt das: Schwarmkontrolle ist Terminarbeit. Wer im Mai und Juni wöchentlich nach Weiselzellen sieht, entscheidet mit, ob das Volk seine Entscheidung überhaupt treffen muss.


