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Die Physiologie der Honigbienen

Zeitsinn

Wenn der Imker seine Bienen im Herbst für den Winter einfüttert und ihnen zu diesem Zweck einige Tage lang immer zur gleichen Stunde die Zuckerlösung gereicht wird, so entsteht um diese Zeit am Flugloch eine Unruhe, auch wenn einmal nicht gefüttert wird. Das zeigt, die Bienen haben sich die Futterzeit gemerkt, besitzen also ein Zeitgedächtnis.
Dies hat einen biologischen Sinn. Manche Pflanzen liefern nicht den ganzen Tag über Nektar, sondern nur zu bestimmten Stunden des Tages. Die Biene merkt sich diese Zeit und vertut nicht nutzlos Zeit und Kraft durch Umhersuchen, wenn nichts zu finden ist.
Bei Versuchen, die mit Bienen in einem dauernd beleuchteten Keller durchgeführt wurden und bei einem Experiment, in dem Bienen, in Paris auf eine bestimmte Uhrzeit geeicht worden waren und nach New York transportiert wurden, ergab sich klar: Die innere Uhr der Biene geht im 24 Stunden Rhythmus. Trotzdem hängt sie nicht am Stand der Sonne, denn diese Uhr steckt in der Biene. Die nach New York gebrachten Bienen richteten sich dort nach Pariser, nicht nach New Yorker Zeit, die erst 7 Uhr zeigt, wenn es in Paris bereits Mittagszeit ist.