Die Physiologie der Honigbienen
Tast- und Geruchssinn
Mit den Augen findet sich die Biene im Licht der Außenwelt zurecht. Sie lebt aber die meiste Zeit im Dunkel des Stockes. Da nützen ihr die Augen kaum etwas, außer dass sie sieht wo das Flugloch den Weg ins Licht bietet.
Alles andere müssen die Antennen schaffen. Durch "Riechtasten" wird sie
Eier, jüngste, ältere und deckelreife Maden unterscheiden müssen, Pollen, unreifen und reifen Honig, Wachs und Kittharz, Arbeiter-, Drohnen- und
Weiselzellen, die Abstände zwischen Waben und Beute, zugige Stellen, die abgedichtet werden müssen, Wachsmotten und sonstige Feinde, Abfall, der hinausgeschafft werden muss und wer weiß was sonst noch alles. Für das
ganze "Innenleben" des Stockes sind die Antennen das unerläßliche Werkzeug.


Abb. oben links Kopf, oben rechts Antennenbasis, unten links und rechts Antenne in unterschiedlicher Vergrößerung ( © R.F. Foelix)
Aber auch für den Außendienst spielt namentlich der Geruch eine große
Rolle. Schon beim Verlassen des Stockes nimmt die Biene die Erinnerung
an einen bestimmten Heimatgeruch mit. Jedes Bienenvolk hat seinen besonderen Stockgeruch. Er ist zusammengesetzt aus vielen Düften von Holz verschiedener Herkunft und verschiedenen Alters, von jüngern und älteren Waben, der Pollen- und Honigvorräte, aus Art und Menge des verwendeten Propolis (Kittharz), dem Alter der Königin. Diesen Stockgeruch trägt die Biene an sich und wird daran an einem fremden Flugloch als Eindringling erkannt. Sie trägt ihn auch in ihrem Gedächtnis und erkennt bei der Rückkehr ihre Heimat an diesen Geruch wieder.
Draußen in der Weltder Blüten ist die Fähigkeit der Biene, Düfte zu erkennen für ihre Sammeltätigkeit von großer Wichtigkeit. Sie besitzt deshalb auch für Blütendüfte und biologisch wichtige Grüche eine besonders feine "Fühler-Nase".
Es ist in erster Linie der Duft und weniger die Farbe, was sie von Blüte
zu Blüte der gleichen Pflanzenart leitet. Dass sie blütenstetig
sein kann, das heißt, nicht Löwenzahn auf Osterglocken, von Arabis auf Weichselblüten fliegt, wird ihr durch ihren Geruchssinn erleichtert. Leitet sie das Auge aus der Ferne, so wirkt der Geruch in der Nähe. Die Biene
kann auch Wasser "riechen" und sie ist in der Lage, CO² (Kohlendioxid)wahrzunehmen,
was für ihren Aufenthalt im geschlossenen Bau von Bedeutung ist.
Blütenduft und Stockgeruch sind da, ohne dass die Biene (absichtlich)
etwas dazu tut. Aber die Biene kann auch bewußt einen Duft, den Sterzelduft
aus ihrer Duftdrüse erzeugen. Chemisch handelt es sich um ein Gemisch
aus mehreren Geruchsstoffen, wie Geraniol, Farnesol, Citral, Nerol,
Geronsäure, Nerolsäure. In der Nähe der Sterzlerinnen kann man
deutlich ein melissenartiges Aroma wahrnehmen. Die Bienen benutzen den Duft zur Anlockung von Artgenossen. Das ist z.B. wichtig, wenn sie eine
reiche Trachtquelle gefunden haben. Sie sterzeln ander Futterstelle ebenso
wie auf dem Flug dorthin. Man kann sich vorstellen, dass die Sammlerinnen bei regem Verkehr zu guten Nahrungsplätzen regelrechte Duftstrassen ausbilden. Der Sterzelduft dürfte durch den in der Luft befindlichen Schwarm zusammenzuhalten
helfen und die Bienen an die Stelle rufen, wo sich die Königin niedergelassen
hat. Auch wenn beim Vorspieldie Jungbienen zum ersten Mal ausfliegen,
ist bald das Flugbrett mit einer großen Zahl von Lockbienen bedeckt, die
mit ausgestülpter Duftdrüse sterzelnd ihren Artgenossen den Weg zum heimatlichen
Flugloch zeigen. Dasselbe geschieht, wenn eine junge Königin zur Begattung
ausgeflogen ist und zurückerwartet wird.
Der Duft der Duftdrüse ist allerdings nicht von Volk zu Volk verschieden
wie der Stockgeruch. So locken die Sammlerinnen auch stockfremde Bienen
zum Futterort und auf dem Stand kann intensives Sterzeln der Bienen auf
dem Flugbrett auch stockfremde Jungbienen oder sogar eine ausgeflogene
Jungkönigin anlocken. Die fremden Jungbienen finden bei dieser Gelegenheit
anstandslos Aufnahme. Aber die Königin kostet es in der Regel das Leben.
Andere Duftstoffe spielen bei der Stockverteidigung eine Rolle. So rufen
die Wächter am Stockeingang bei massiver Bedrohung durch Fremdeindringlinge
andere Nestgenossen auf den Plan, indem sie ihre Vorderkieferdrüsen spreizen
und den Hinterleib mit geöffneter Stachelkammer flügelschwirrend in die
Höhe recken ("Giftsterzeln"). Dabei entlassen sie aus der Mandibeldrüse
eine Abschreckungs- und Alarmsubstanz mit scharfen Geruch, die man als
Heptanon-2 identifiziert hat und aus den Drüsen im Stachelrinnen-
und -scheidenbereich einen Alarmstoffm aus dem man schon annähernd ein
Dutzend Komponenten isoliert hat. Ganz überwiegend vertreten ist Isopentylacetat,
dannach folgen mit Abstand 1-Octanol, 2-Methylbutanol und andere
Bestandteile. Man kann in der Nähe der alarmierten Bienen einen bananenartigen
Duft wahrnehmen. Das Mit- oder Gegeneinander dieser Alarmstoffe signalisiert
den Bienen je nach gegebener Situation: "Habt acht!", "Angriff!" oder
"Flucht!". Das Bienengift selbst hat offenbar keine Alarmwirkung.
Weitere Düfte die eine Rolle spielen, sind z.B. jene bei der Partnerfindung,
während des Hochzeitsfluges, sowie der Königinnenduft beim Schwärmen,
als stabilisierender Faktor.


